WR vom 08.04.2010

Kurz vor der Evakuierung

Feuer in der Klinikküche des Eschweger Krankenhauses - 220 Rettungskräfte im Einsatz

ESCHWEGE. Ein Brand in der Klinikküche des Eschweger Kreiskrankenhauses hat gestern Morgen zu einem Großeinsatz der Feuerwehr geführt. Rund 220 Rettungskräfte waren vor Ort und konnten das Feuer nach gut zwei Stunden löschen. 16 Klinikmitarbeiter mussten wegen des Verdachts auf Rauchvergiftung in das Schwesternkrankenhaus nach Witzenhausen eingeliefert werden, jedoch nur bei einer Person erhärtete sich der Verdacht.

Der entstandene Schaden konnte am gestrigen Tag noch nicht abgeschätzt werden.
Spezialisten des Landeskriminalamtes vermuten, dass Dämmwolle eines Servierwagens den Brand ausgelöst haben könnte. Die Untersuchungen hierzu dauerten gestern noch an.

Nach dem Ausbruch des Feuers hatten die Rettungskräfte kurzzeitig die Evakuierung des gesamten wen hauses in Betracht gezogen Davon habe man nach Aussage des Eschweger Stadtbrandinspektors Lothar John aber in Anbetracht des schnellen Voranschreitens der Löscharbeiten Abstand genommen.
Der Klinikbetrieb wurde auf das Nötigste reduziert. Anstehende Operationen, sofern keine Notfälle, wurden verschoben. Wie lange es dauern wird, bis der Betrieb wieder läuft, darauf wollte sich der Sprecher der Gesundheitsholding Werra-Meißner, Andre Koch, gestern nicht festlegen.
Das könne noch zwei bis drei Wochen dauern. Die Leitstellen seien angewiesen, Notfälle zunächst auf andere Krankenhäuser in der Umgebung zu verteilen. Viele Patienten mussten zudem ihre Zimmer räumen und wurden auf andere Stationen verteilt.

Die völlig zerstörte Klinikküche: Hier brach das Feuer gegen 1.30 Uhr aus. Die Brandursache ist noch nicht vollständig geklärt.

Rechts: Aufgrund der starken Rauchentwicklung war das Bekämpfen des Brandes nur mit Atemschutzmasken möglich.
Links: Viele Patienten mussten mitten in der NAcht ihre Zimmer räumen und wurden auf andere Stationen verteilt.

220 Hilfskräfte im Einsatz

ESCHWEGE. Zwischen der Alarmierung um 1.47 bis zur Entwarnung um 6:15 Uhr waren insgesamt 220 Rettungskräfte, darunter 60 mit Atemschutz, beim Brand im Kreiskrankenhaus im Einsatz.
Stadtbrandinspektor Lothar John hat neben den Brandschützern aus Eschwege schon um 2.02 Uhr alle sieben Stadtteilwehren angefordert (Albungen, Oberhone, Niederhone, Eltmannshausen, Niddawitzhausen, Oberdünzebach und Niederdünzebach) , und um 2.44 Uhr holte er zur weiteren Verstärkung die Einsatzgruppen aus Grebendorf, Jestädt und Reichensachsen hinzu.
Insgesamt waren 220 Rettungskräfte im Einsatz, die sich auf die acht Feuerwehren aus Eschwege (76 Leute) sowie aus Meinhard und Wehretal (25) verteilen.
Der Einsatzleitwagen 2 aus Grebendorf war mit fünf Leuten besetzt Jeweils 10 Personen waren vom Brandschutzaufsichtsdienst und dem Rettungsdienst Eschwege vor Ort. Die schnelle Einsatzgruppe des DRK Sontra und Wanfried zählte fünf Personen, das DRK in Witzenhausen 27, das DRK in Eschwege 30. Lothar John bedankte sich auch bei 30 Beamten der Landespolizei sowie zwei Leuten, die seitens der Bundespolizei im Einsatz waren.

Zeitfenster:

Busse zur Evakuierung waren bestellt

Stadtbrandinspektor Lothar John: "Rauchentwicklung in den Stationen 7 und 8 bereitete uns Sorgen"

ESCHWEGE. Die Rauchentwicklung in den Stationen 7 und 8 bereitete Stadtbrandinspektor Lothar John, dem auch die Einsatzleitung oblag, große Sorgen.
„Der warme Rauch ist durch die Fahrstuhlschächte vehement nach oben gedrungen. Das veranlasste uns, die Evakuierung der Liegendpatienten vorzubereiten”, erklärt John gegenüber der WR. Räume bei der Bundespolizei standen zur Verfügung.
Schon gegen 2.30 Uhr haben sich die Verantwortlichen ernsthafte Gedanken darüber gemacht, um dann schnell handeln zu können. "Wir haben zur Sicherheit um 2.55 Uhr zwei Busse der Firma Frölich bestellt, auch die Bundespolizei hat ihre Transferhilfe und die Räumlichkeiten füi die Evakuierung angeboten", zeigte sich Lothar John angetan von der Kooperation.
Alle DRK-Leute waren mit im Boot, der Orga-Leiter des Rettungsdienstes, der Leitende Notarzt und Landrat Stefan Reuß sowie Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe verständigt. „Zum Glück konnten wir die betroffenen Patienten relativ entspannt aus dem Alt-bau- in den rauchfreien Neubautrakt verlegen, alles war gut, die Evakuierung nicht mehr nötig.”
Lothar John wirkt entspannt, weiß aber, dass auch diese hohe Klippe mit vereinten Kräften umschifft worden wäre. Für den Stadtbrandinspektor spricht die gute Ortskenntnis: „Es gibt drei Brandabschnitte, der mittlere, der zwischen den Fahrstühlen, war frei vom Rauch und machte das Verlegen der kranken Menschen möglich”, so Lothar John. Entwarnung gab er aber erst, als er persönlich mit Kreisbrandinspektor Willi Sußebach die Stationen kontrolliert hatte und die Geschosse 7 und 8 über die Drehleiter mit Frischluft versorgt waren.


Die Fahrzeuge des DRK standen mit den fachkompetenten Rettungssanitätern für den Fall der Evakuierung bereit.

Die Hindernisse für die Helfer

ESCHWEGE. Lob erreichte die Rettungskräfte, die ihre Schlagkraft beim Brand im Kreiskrankenhaus eindrucksvoll unter Beweis stellten, von allen Seiten.
Dass es aber manchmal schwierig ist, den Weg an die vorderste Front zu finden, dorthin, wo die Hilfe am nötigsten ist, das wurde in der Nacht zum Mittwoch ebenfalls deutlich. So musste zunächst die geschlossene Schranke deaktiviert werden, um den Rettungsfährzeugen die Einfahrt zum , Krankenhaus-Parkplatz zu ermöglichen.
Wegen der starken Rauchentwicklung haben die Feuerwehrleute die Fensterscheiben eingeschlagen, um die Stationen 7 und 8 mit Hilfe der Drehleiter mit Frischluft zu versorgen. Die entsprechenden Schlüssel zum Öffnen der Fenster waren in der gebotenen Eile, wie Stadtbrandinspektor Lothar John erklärte, nicht ausfindig zu machen.

Kommentar

Das war keine Übung

Von Dieter Salzmann
Feuerwehr, Polizei und Krankenhausmitarbeiter haben bei ihrem nächtlichen Einsatz im Eschweger Kreiskrankenhaus gute Arbeit geleistet. Dass es weitgehend bei Sachschäden blieb, ist vor allem dem beherzten Einsatz von Feuerwehrleuten, Polizisten, Ärzten und Pflegern, den kühlen Köpfen in der Einsatzleitung und der professionellen Organisation der Rettungskräftezu verdanken. All diese Faktoren, zusammen genommen mit einer Portion Glück, haben verhindert, dass aus dem Küchenbrand im Krankenhauskeller eine Katastrophe erwuchs.
Das Geschehen der vorvergangenen Nacht zeigt aber auch deutlich, wie wichtig es ist, im Notfall genügend Feuerwehrmänner und -frauen mobilisieren zu können.
Wie fast alle Freiwilligen-Organisationen leiden auch die Feuerwehren im Kreis unter Nachwuchsmangel. Ihnzu beheben a ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit.


Weiterführende Links:
Artikel der Werra Rundschau:
WR vom 08.04.2010 - OPs wurden verschoben
WR vom 08.04.2010 - Wir wären direkt in die Flammen gelaufen
WR vom 08.04.2010 - Nicht eine einzige Sekunde Angst

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